Der Nachfolger der Proll-Legende

Foto: Rudolf Stricker

Das Coupé Calibra, das Opel auf der IAA 1989 vorstellte, entlockte sogar kritischen Autoexperten ein anerkennendes Zungenschnalzen. Das sollte der neue Opel sein? – Donnerwetter. So ein schickes Modell hatte man von den Rüsselsheimern nicht erwartet.

Der Calibra stand in großen Fußstapfen. Er war in Nachfolger des Opel Manta, von dem in den 70er- und 80er-Jahren über eine Million Fahrzeuge gebaut worden waren. Ein großer Verkaufserfolg für Opel, allerdings mit einem Haken: Der Manta, vor allem die zweite Baureihe, hatte ein Imageproblem. Er galt als typischer Möchtegern-Sportwagen und als bevorzugtes Gefährt von Testosteron-gesteuerten männlichen Halbstarken, denen man nur begrenzte intellektuelle Fähigkeiten unterstellte. 

In den 1980er-Jahren wimmelte es von Witzen über Manta-Fahrer. Das Proll-Image des Modells kam sogar zu filmischen Ehren: Anfang der 90er-Jahre kamen mit „Manta – Der Film und „Manta, Manta zwei Komödien in die Kinos. Die Handlungen waren im Grunde nebensächlich, eigentlich ging es nur darum, die Manta-Gemeinde lustvoll durch den Kakao zu ziehen. Das schlichte Konzept funktionierte –  beide Filme wurden Kassenschlager. Für den seriösen Autofahrer“, der ein wenig Wert auf sein Image legte, war der Manta daher praktisch ein No-Go.

Bester Luftwiderstandsbeiwert für Serienfahrzeuge
Mit dem Calibra wollte Opel sich ganz anders positionieren. Der Wagen überzeugte vor allem durch seine ausgefeilte Ästhetik. Die Opel-Designer hatten dem Calibra, dessen Technik auf dem Brot-und-Butter-Modell Vectra basierte, eine keilförmige, windschlüpfrige Karosserie verpasst. Ihr niedriger Luftwiderstandsbeiwert – damals noch ein wichtiges Kriterium bei Autotests – war mit 0,26 Rekord für Serienfahrzeuge. Die schmalen Schlitze der Frontscheinwerfer gaben dem Calibra ein sehr modernes und aggressives Aussehen. Die dafür verwendeten Ellipsoid-Scheinwerfer waren ein Vorgriff auf innovative Beleuchtungstechniken, die bei anderen Herstellern erst viel später zum Einsatz kamen.

Die ersten Calibras waren in puncto Motorleistung noch eher zahm (obwohl selbst sie eine Höchstgeschwindigkeit von knapp über 200 km/h erreichten). Erst in späteren Jahren verpasste Opel dem Coupé stärkere Motoren. Ein mit einem Turbolader ausgestattetes Aggregat mit Vierradantrieb brachte es sogar auf über 240 km/h. Auch ein Sechszylinder war zeitweilig im Angebot. Die Produktion des Calibra endete 1997, insgesamt liefen knapp 240.000 Exemplare vom Band. Ein Nachfolger wurde von Opel nicht entwickelt.

Beliebtes Objekt für Tuning
Der Calibra war zwar nicht primär auf die Zielgruppe junge Autofahrer ausgerichtet. Dennoch teilte er bis zu einem gewissen Grad das Schicksal seines Vorgängers: Viele Mantas, die noch existieren, sind mehr oder weniger stark „aufgemotzt“, sei es durch Modifikationen der Technik oder der Optik, zum Beispiel durch Spoiler oder ausgestellte Kotflügel. Gleiches gilt auch für den Calibra: Er wurde im Laufe der Zeit zu einem beliebten Tuning-Objekt. Calibras im Originalzustand sind daher recht selten geworden – ein vielversprechender Tipp für Youngtimer-Fans.