Ein neues Lackkleid für Giulietta

In der Werkstatt von Thomas Knapp in Kreuztal bei Siegen geht derzeit die Restaurierung eines Alfa Romeo Giulietta SS von 1958 voran – eine Schönheit aus der großen Zeit italienischen Autodesigns. Sie war schon eine Rarität, als sie noch gebaut wurde.

Thomas Knapp (unten, erstes Foto) ist 55, hat sich aber erst vor wenigen Jahren selbstständig gemacht. Seine Werkstatt ist klein: Außer ihm selbst gibt es nur noch einen festen Angestellten und seine Ehefrau, die sich ums Büro kümmert. Dennoch hat er sich bereits einen Namen als Classic-Spezialist gemacht: „Gut die Hälfte meines Geschäfts entfällt inzwischen auf Oldtimer-Restaurierungen“, berichtet er. Das sieht man bei einem Blick in seine Werkstatt: Hier stehen gerade ein Renault 4 mit Kastenaufsatz, ein Opel Kadett C und ein Ford Escort RS2000 aus den späten 70er-Jahren. Doch das derzeitige Glanzstück ist zweifellos der Alfa Romeo Giulietta Sprint Speciale.

Ein Beispiel für italienisches Top-Design
Die Modellreihe Giulietta, die Alfa Romeo Mitte der 50er-Jahre vorstellte, war für den italienischen Autobauer ein Markstein: Bis dahin hatte sich Alfa im exklusiven Marktsegment getummelt, mit Giulietta hingegen sollten auch normal betuchte Autokäufer angesprochen werden. Das klappte, die Baureihe (zu der neben der Limousine auch ein Coupé, ein Kombi und ein Spider zählten) wurde ein großer Erfolg. Ein wesentlicher Grund dafür: Die Giulietta war ebenso schön wie ihr Name – ein herausragendes Beispiel für erstklassiges italienisches Autodesign.

Bei einem Facelifting einige Jahre später hielten sich die Änderungen an der Limousine in Grenzen – doch dafür fielen sie bei der sportlichen Giulietta SS (für Sprint Speciale) umso deutlicher aus. Die Karosserie-Designer waren in die Vollen gegangen: Die tief heruntergezogene Front, das elegante Schrägheck und der tropfenförmige Aufbau verliehen dem Wagen zur damaligen Zeit einen fast futuristischen Look. Der hatte allerdings seinen Preis: Mit rund 23.000 Mark kostete die Giulietta SS für damalige Verhältnisse ein mittleres Vermögen. Darum blieb die schnelle Italienerin leider eine seltene Erscheinung – nur knapp 1.400 Exemplare wurden gebaut.

Einzelstücke in der Vorserie
Das Fahrzeug, das Thomas Knapp gerade in Arbeit hat, ist noch seltener. „Es stammt aus der Vorserie von 1958“, erklärt Knapp. „Sie bestand aus 101 Modellen, und alle unterschieden sich in Details voneinander.“ Die Giulietta Nr. 93 in Knapps Werkstatt beispielsweise hatte als Besonderheit eine Ausbuchtung für einen Doppelvergaser im Motorraum.

Thomas Knapp hat sich eine absolut perfekte Lackrestaurierung zum Ziel gesetzt. „Wir haben die Karosserie blank geschliffen und tragen jetzt Standox Reaktiv-Haftprimer U 3100, im Anschluss einen Standox VOC-System-Füller U 7540 auf. Erst dann beginnen wir mit den Spachtelarbeiten. Dies ist einer von vielen Unterschieden zur klassischen Fahrzeugreparaturlackierung.” Als Decklack will er – dem Original entsprechend – einen konventionellen 2K-Lack im klassischen Farbton „Rosso Alfa 501“ einsetzen.

Bis dahin hat Knapps Mitarbeiter Benjamin Scheel (unten, zweites Foto, links) noch viel Arbeit mit der Giulietta. „Für einen solchen Auftrag braucht man eine besondere Einstellung“, sagt Knapp. „Benjamin kriecht manchmal tagelang im Kofferraum des Wagens herum, um dort zu spachteln oder zu schleifen.“ Kein Problem für Benjamin Scheel – für ihn ist die Giulietta inzwischen mehr ist als ein normaler Job. „Mir macht’s Spaß“, lacht er. „Eigentlich möchte ich gar nichts anderes mehr machen als an Klassikern zu arbeiten.“