Vorsicht vor Elchen!

Foto: M93

Mit dem von 1997 bis 2004 hergestellten Mercedes-Benz A 168 wollte der Konzern eigentlich neue Käuferschichten erschließen. Das Mercedes-untypische Design des Kompaktklassewagens polarisierte die Fachwelt – und ein spektakulär missglückter Fahrdynamik-Test trübte den Ruf der Baureihe nachhaltig.

Mercedes-Benz – ein Name, der bis heute wie kaum ein anderer für hochwertige Qualität made in Germany steht. Doch da der Markt für Fahrzeuge der Oberklasse und oberen Mittelklasse begrenzt ist, beschloss der Hersteller in den 1990ern neue Wege zu gehen. Mit der A-Klasse entwickelte Mercedes erstmals einen Pkw der Kompaktwagenklasse. Sogar eine Variante mit Elektroantrieb war ursprünglich geplant.

Allerdings sollte dieser damals innovative Gedanke indirekt die Ursache für viel Spott und Häme werden. Denn als eine schwedische Autozeitung kurz nach der Fahrzeugvorstellung einen sogenannten „Elchtest“ (ein abruptes Ausweichmanöver vor einem plötzlich auftauchenden Geweihträger) durchführte, kippte das Fahrzeug zur allgemeinen Verwunderung um. Ein Mercedes, der einfach umkippte – das sorgte in der Autowelt für enormes Aufsehen und viel Spott.

Der Grund: Um Platz für eine Batterie zu schaffen, besaß die A-Klasse einen sogenannten Sandwichboden mit Hohlräumen. Diese blieben in der Verbrenner-Ausführungen allerdings leer, daher hatte das Fahrzeug einen relativ hohen Schwerpunkt. Dass die Elektro-Variante aufgrund zu hoher Kosten und technischer Probleme später nie in Serie produziert wurde, verleiht der Geschichte eine unfreiwillig komische Note.

Auch wenn aus der Elektro-Ausführung nichts wurde, war die A-Klasse eigentlich eine durchaus mutige und moderne Entwicklung aus dem Hause Daimler. Der Entwurf sollte den neuen Fahrgewohnheiten einer jüngeren, urbanen Generation entgegenkommen. Mit dem Design des Interieurs und den angebotenen Fahrzeuglackierungen wollte man diese ansprechen. Doch daraus wurde nichts – im Gegenteil: Dank der bequemen hohen Sitzposition war der Wagen vor allem bei Senioren beliebt. Der Hersteller passte die A-Klasse bei der Modellpflege 2001 daher an die neue Situation an und ersetzte die Kunststoffe im Interieur durch hochwertigere Materialien.

Der Erfolg in dieser Käufergruppe bescherte dem 168er allerdings bis heute den eher zweifelhaften Ruf einer „Rentnerkarre“. Dank der hohen Stückzahl von 1,1 Millionen abgesetzten Fahrzeugen findet man die alte A-Klasse auch im Jahr 2021 noch relativ häufig im Straßenverkehr. Mittlerweile sind Exemplare der „Elch-Klasse“ bereits für günstige 1.000 Euro als Gebrauchtwagen erhältlich.