Der Retter der Marke Porsche

Foto: Stephen Temple

Der Boxster wird von beinharten Porsche-Fanatikern manchmal bespöttelt. Sie lassen nur den 911er gelten – und okay: Mit dem kann er natürlich nicht mithalten. Doch Tatsache ist: Das 1993 vorgestellte und ab 1996 gebaute Modell wurde zu einem Verkaufsschlager. Wäre es das nicht geworden, gäbe es Porsche vielleicht gar nicht mehr.

Der Urahn des Boxsters, der Porsche 550 Spyder, ist ein Mythos. Zum einen, weil er so selten ist wie die Blaue Mauritius: Nicht einmal 150 Exemplare des schon damals superteuren Roadsters wurden gebaut, die wenigen noch existierenden Exemplare werden heute für sieben- bis achtstellige Summen gehandelt. Zum anderen natürlich wegen James Dean: Die Hollywood-Legende kam 1955 mit nur 24 Jahren am Steuer eines Spyders ums Leben.

Das alles schwang mit, als Porsche 1993 auf einer amerikanischen Automesse den Prototypen des Boxsters vorstellte. Die US-Experten erkannten sofort den Versuch, an den Spyder-Mythos anzuknüpfen – und Porsche widersprach nicht. Tatsächlich gab es aber weitaus profanere Gründe für die Entwicklung des flachen Zweisitzers: Einige Jahre zuvor hatte Mazda mit seinem MX-5 eine „Renaissance des Roadsters“ begründet, und dabei wollte auch Porsche mitmischen. Außerdem bestand eh akuter Handlungsbedarf, denn das Unternehmen litt unter massiven Absatzproblemen. Porsche musste dringend neue Käuferschichten unterhalb seiner klassischen Luxusklientel erschließen, und das sollte der Boxster richten. Er war zwar nicht billig, aber mit umgerechnet rund 40.000 Euro immerhin nur knapp halb so teuer wie ein 911er-Cabrio.

Der Plan ging auf: Bereits ein Jahr nach der Markteinführung konnte man sich in Zuffenhausen vor Boxster-Bestellungen kaum retten. Um alle bedienen zu können, lagerte Porsche zeitweilig sogar einen Teil der Produktion zu einem Autobauer nach Finnland aus (in eine Stadt mit dem schönen Namen Uusikaupunki).

Das Konzept des neuen Modells war ein Volltreffer: Obwohl schon an den ungewöhnlichen „Spiegeleier-Leuchten“ erkennbar war, dass es sich um keinen 911er handelte, wurde es dennoch sofort als Porsche identifiziert. Dabei unterschied sich der Boxster technisch deutlich von seinem großen Bruder: Er hatte keinen Heck-, sondern einen Mittelmotor, was ihm eine Top-Straßenlage bescherte. Die Motorleistung lag zwar unter dem 911er, dennoch war er kein Pseudo-Sportwagen. Schon die Basisversion mit einem wassergekühlten Sechszylinder brachte es auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 240 km/h – für die meisten Boxster-Käufer (erst recht, wenn sie noch keinen 911er gefahren waren) mehr als ausreichend.

Von der ersten Baureihe des Boxsters wurden bis 2004 fast 165.000 Exemplare gebaut – was ihm den ehrenvollen Ruf „Retter der Marke Porsche“ bescherte.