Die kleine Knutschkugel mit der großen Fangemeinde

Es ist bereits einige Jahre her, als ein Kunde erstmals eine restaurierungsbedürftige BMW Isetta ins Lackiercenter Ibbenbüren brachte. Mit ungeahnten Folgen: Inzwischen werden in der Werkstatt von Viktor Specht immer wieder Exemplare der legendären „Knutschkugel“ aus den 50er-Jahren auf Vordermann gebracht. Das Unternehmen hat sich in der Oldtimer-Szene einen Namen gemacht. Heute restauriert Specht Isettas auch auf eigene Rechnung.

„Bei der Isetta ist ein ähnlich wie beim VW Käfer oder der Ente von Citroën“, sagt Viktor Specht, der Chef des Lackiercenters Ibbenbüren. „Die Fahrzeuge haben einfach eine riesige Fangemeinde. Viele Menschen verbinden mit ihnen persönliche Erinnerungen oder positive Assoziationen. Und optisch ist die kleine, runde Isetta sowieso ein Hingucker.“ Entwickelt wurde das sogenannte „Rollermobil“ mit seiner außergewöhnlichen Konstruktion (Fronteinstieg mit schwenkbarer Lenksäule!) in der Mitte der 50er-Jahre, in der Hochzeit der Auto-Zwerge, von zwei italienischen Flugzeugkonstrukteuren. Der deutsche Autobauer BMW sah dafür einen Markt, schloss einen Lizenzvertrag ab und produzierte das Fahrzeug mit leichten technischen Modifikationen bis 1962. Insgesamt liefen fast 162.000 Exemplare vom Band. Heute gilt die Isetta als eines der Wahrzeichen der 50er-Jahre und ist längst Kult.

Suche nach Restaurierungsobjekten in ganz Europa
„Wir haben inzwischen schon Isettas aus ganz Deutschland, aus Dänemark und Slowenien nach Ibbenbüren geholt“, berichtet Viktor Specht. „Wir halten die Augen offen, wenn irgendwo interessante Restaurationsobjekte angeboten werden, um sie dann in Eigenregie auf Vordermann zu bringen und zu verkaufen.“ Bei aller Begeisterung für die Knutschkugel muss jedoch auch das Finanzielle stimmen, denn ja nach Zustand braucht es viel Zeit- und Materialaufwand, um ein Fahrzeug wieder in den Originalzustand zu versetzen. Doch den Besitzern oder Käufern ist es das wert. Specht: „Einem ehemaligen Piloten haben wir die Isetta persönlich nach Berlin gebracht. Für ihn ging ein Kindheitstraum in Erfüllung, als wir das frischlackierte Auto aus unserem Transporter ausluden.“

Die Lackierung ist ein wichtiges Thema, denn viele Isetta-Fans legen größten Wert auf eine originalgetreue 50er-Jahre-Optik. Typisch sind zweifarbige Lackierungen, oft in Weinrot-Weiß oder Blau-Weiß. „Das ist lackiertechnisch recht aufwendig“, so Specht. „Wir müssen ein Bauteil erst komplett in einer Farbe vorlackieren, dann ganz feine Linien aufbringen, um den Bereich für die Lackierung mit der zweiten Farbe zu kennzeichnen. Da braucht es eine ruhige Hand und akkurates Arbeiten.“ Specht hat Zugriff auf BMW-Farbtabellen aus dieser Zeit, um die Farbtöne exakt nachzustellen. Bei der Lackierung setzt er seit vielen Jahren auf Standox Produkte, er ist zudem Mitglied im Standox Werkstattnetzwerk Repanet.

Nicht alle Isettas landen wieder auf der Straße
Derzeit befindet sich im Lackiercenter Ibbenbüren eine Isetta in den letzten Zügen ihrer Restaurierung. Auch für sie gibt es bereits Interessenten. „Als Oldtimer sind die Isettas ziemlich gefragt“, sagt Specht. „Mit bis zu 30.000 Euro für ein frisch restauriertes Exemplar sind sie im Vergleich mit anderen Fahrzeugen aus dieser Epoche erschwinglich. Außerdem sind sie pflegeleicht im Unterhalt und nehmen kaum Platz weg.“ Was sich belegen lässt: Nicht jede Isetta landet wieder auf der Straße – einige von Viktor Spechts Kunden haben ganz andere Verwendungen für ihre Fahrzeuge. Ein Unternehmen aus der Region will sich sein frisch restauriertes Exemplar als Deko-Objekt in die Firmenzentrale stellen. Und ein anderer Kunde platzierte seine Isetta gar mitten ins Wohnzimmer.