Von 60.000 auf 100.000 Euro geklettert

Foto: AlfvanBeem

Viele Old- oder Youngtimerbesitzer haben allenfalls vage Vorstellungen, wie viel ihr Fahrzeug auf dem Markt wert sein könnte. Dabei kann dieser Wert erheblich sein – das illustriert das Beispiel eines Mercedes-Klassikers.

2014 wurde in einer Scheune in Brandenburg das Wrack eines 50 Jahre alten Porsche entdeckt. Der Wagen war in einem desaströsen Zustand, viele Teile fehlten. Doch anhand der Fahrgestellnummer ließ sich feststellen, dass sich unter dem Rost eine Rarität verbarg: ein Fahrzeug aus der allerersten 911er-Baureihe, die damals noch die Bezeichnung 901 trug. Das Porsche-Werksmuseum legte für das Fahrzeug (oder besser: was davon übrig war) über 100.000 Euro auf den Tisch, denn dieses Modell fehlte noch in seiner Sammlung. Solch spektakuläre „Scheunenfunde“ sind zwar selten, kommen aber vor. Und sie sorgen stets für viel Aufsehen in der Classic-Car-Szene. Spätestens dann taucht wieder das Thema „Oldtimer als Wertanlage“ auf – und mancher Besitzer eines Autoklassikers fragt sich im Stillen: Was mag wohl meiner wert sein?

Nicht nur ideelle Werte
Für viele „normale“ Old- oder Youngtimer-Besitzer spielt der Wert, den ihr blecherner Liebling hat, nur eine untergeordnete Rolle: Für sie geht es in erster Linie um den Spaß am Schrauben und Fahren – verkaufen würden sie ihren Oldie sowieso nie. Doch Fakt ist: Je nach Seltenheit, Zustand und Marktnachfrage repräsentieren manche Oldtimer nicht nur einen ideellen, sondern auch einen finanziellen Wert. Die spektakulären sieben- oder gar achtstelligen Summen, die auf manchen Auktionen für Autos erzielt werden, sind sicherlich absolute Ausnahmen. Aber sechsstellige Beträge sind durchaus nicht so selten.

Das Unternehmen Classic Data aus Bochum ist auf die Bewertung von Autoklassikern spezialisiert und hat am Beispiel eines sehr beliebten Oldtimers mal seine Wertentwicklung zusammengestellt. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um den Mercedes 280 SL, der von seinen Fans wegen der Form seines Hardtops auch als „Pagode“ genannt wird. Von seinem Typ (plus den Varianten 230 und 250 SL) existieren hierzulande schätzungsweise noch über 4.500 Exemplare, er ist auf Oldtimertreffen noch regelmäßig zu sehen. Dabei war der von 1968 bis 1971 gebaute Zweisitzer seinerzeit ein echtes Traumauto und für die meisten völlig unerschwinglich – ein Grund mehr, warum er sich bis heute so großer Beliebtheit erfreut.

Zeitweilige Wertsteigerung von über 60 Prozent
Nach den Daten von Classic Data (Durchschnittpreise, schwerpunktmäßig im Handel von Privat zu Privat) war ein 280 SL in gutem, optisch einwandfreiem Zustand und ohne größere Mängel im Jahr 2013 rund 62.000 Euro wert. Danach ging es schnell aufwärts: Bis 2018, also innerhalb von nur fünf Jahren, stieg der durchschnittliche Marktwert zeitweilig auf bis zu 100.000 Euro – ein Zuwachs von über 60 Prozent. Seither bröckelte der Marktwert etwas ab, aber nach Angaben von Classic Data lag er im vergangenen Jahr immer noch bei rund 94.000 Euro, also rund 50 Prozent über dem Wert von 2013.

Damit steht der Mercedes beileibe nicht alleine da. Auch andere Classic Cars erlebten in den vergangenen teilweise drastische Wertsteigerungen, darunter sogar weniger glamouröse und erschwinglichere Oldtimer wie der VW Käfer, der VW Bulli oder der Opel Kadett.