Mehr Trabis als Teslas unterwegs

Foto: Joost J. Bakker

Der letzte Trabant lief vor 30 Jahren vom Band. Damals war er technisch völlig überholt und nicht mehr konkurrenzfähig. Doch wider Erwarten haben erstaunlich viele Trabants bis heute überlebt – als sehr beliebte Oldtimer.

Die „Rennpappe aus Zwickau“, so einer der zahllosen Spitznamen des Trabants, erweist sich als weitaus zäher, als man vor 30 Jahren vermuten konnte. Nach einer Analyse des CAR-Instituts in Duisburg auf Basis der aktuellen Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes gibt es in ganz Deutschland derzeit noch über 38.000 Trabis – und ihre Zahl nimmt nicht etwa ab, sondern hat in den letzten zehn Jahren sogar um rund 3.000 zugenommen. Damit ist der betagte „Duroplastbomber“ deutlich zahlreicher als beispielsweise ein Tesla, von dem hierzulande bislang nur rund 34.000 Exemplare unterwegs sind.

Dem Zweitakter wurde neues Leben eingehaucht
„Scheinbar ist einigen der alten Zweitakter in den vergangenen Jahren neues Leben eingehaucht worden“, staunt selbst Autoexperte und CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöfer über diese Zahlen. „Ein kleines Wunder.“ Besonders bemerkenswert: Allein 2020 legte die Zahl der Trabants um rund 1.000 Exemplare zu – offenbar haben viele Trabant-Fans die verschiedenen Lockdown-Stadien genutzt, um ihre Oldies wieder fahrtüchtig zu machen.

Der Trabant wurde ab 1954 vom VEB Sachsenring in Zwickau gebaut. Bei seiner Vorstellung war der Kleinwagen mit der Kunststoffkarosserie, dem Zweitaktmotor und seiner einfachen, robusten Technik durchaus auf der Höhe der Zeit. Er genoss im Osten bald ein ähnlich positives „Volkswagen“-Image wie der Käfer im Westen. 1964 wurde er überarbeitet und erhielt eine modernere Karosserie.

25 Jahre lang fast unverändert gebaut
Dabei blieb es allerdings: In den Folgejahren verhinderten wirtschaftliche Engpässe, Devisenmangel und Desorganisation, dass der Trabi noch mal modernisiert wurde. Entsprechende Pläne gab es durchaus, doch sie landeten alle in der Schublade.  Stattdessen lief der Trabi 25 Jahre lang mehr oder weniger unverändert vom Band – und wurde, obwohl (oder weil) mittlerweile völlig veraltet, zu einer Art Maskottchen der DDR.