Revolutionärer Winzling

(Foto: M93)

Konzepte und Designstudien für ein platzsparendes, kompaktes Stadtauto gibt es schon lange. Doch erst 1998 wurden sie in die Praxis umgesetzt – mit dem Smart Fortwo. Dass der Winzling tatsächlich gebaut wurde (und bis heute gebaut wird), lag vor allem am Enthusiasmus und der Hartnäckigkeit eines Schweizer Unternehmers und Erfinders.

Eine Szene aus dem Film „Ein gutes Jahr“ von 2006: Russell Crowe spielt einen Londoner Börsenmakler, der nach Südfrankreich reisen muss. Am Flughafen sucht er den Mietwagen, den seine Sekretärin für ihn gebucht hat. Sie hat sich, wie er feststellen muss, einen Jux mit ihm erlaubt: Crowe verdreht ungläubig die Augen – und zwängt seinen massigen, bulligen Körper in einen Smart.

Ungläubig reagierten vermutlich viele, als der Smart Fortwo 1998 auf den Markt kam (zunächst unter dem Namen „City-Coupé“). Mit diesem Winzling sollte man sich auf die Straße trauen? Mit seinen Maßen von 2,50 x 1,50 Metern wirkte der Smart wie ein Nachfahre der „Kleinstwagen“ der 50er-Jahre. Doch tatsächlich war die Idee dahinter sehr innovativ. Sie stammte von dem Schweizer Nicolas Hayek, der bereits mit der Erfindung der Swatch-Uhr für Furore gesorgt hatte. Ihm schwebte ein kleines, günstiges und elektrisch angetriebenes Fahrzeug für den Autoverkehr in verstopften Städten vor.

VW zeigte Interesse, doch eine Kooperation scheiterte. Daher brachte Hayek sein „Swatch-Auto“ 1998 zusammen mit der Daimler AG auf den Markt. Allerdings mit einem Makel: Den umweltfreundlichen Elektroantrieb hatte man gestrichen, weswegen Hayek kurze Zeit später aus der Kooperation ausstieg. Fortan handelte es sich um ein reines Daimler-Projekt.

Der Zweisitzer erntete viel Aufmerksamkeit: Seine ultrakompakte Bauweise verlieh ihm fast zwangsläufig ein unverwechselbares Aussehen. Damit nicht genug: Man konnte dem Wagen durch den Austausch der lackierten Kunststoffteile der Karosserie im Handumdrehen eine neue Farbe verpassen. Auch die gläsernen Türme der Smart-Autohäuser, in denen die Autos „gestapelt“ wurden, zogen die Blicke auf sich. Dank solcher (und weiterer) Innovationen galt der Fortwo als Vorbote der automobilen Zukunft – trotz seines konventionellen Antriebs.

Zeitweilig wurde der Smart zum Statussymbol für umweltbewusste Stadtbewohner – und zur ersten Wahl für ambulante Pflegedienste und Pizza-Lieferanten. Er war so klein, dass einige Wohnwagen-Hersteller eine Smart-Garage samt Fahrzeug in das Heck ihrer Fahrzeuge einbauten – und dennoch unter 7,5 Tonnen Gesamtgewicht blieben. Der Smart brachte selbst die deutsche Straßenverkehrs-Ordnung ins Schwimmen: Bis heute ist nicht recht geklärt, ob er auch quer in Parklücken abgestellt werden darf.

Die erste Baureihe des Fortwo wurde bis 2006 gebaut. Seitdem folgten zwei Modellwechsel, bei denen er an Länge und Breite zulegte. Aber winzig ist er immer noch. Inzwischen gibt’s ihn auch nur noch mit Elektroantrieb – womit Nicolas Hayeks visionäres Ur-Konzept doch noch zu Ehren gekommen ist.