Technisch seiner Zeit voraus

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Mit dem Modell 850i setzte BMW in den 90er-Jahren neue Maßstäbe. Das luxuriöse Coupé war in puncto Technik seiner Zeit voraus. Doch es kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt auf den Markt, zudem verschreckten sein Preis und seine massierte Elektronik viele potenzielle Käufer. Der 850i wurde ein Flop – dennoch hat er Chancen, zum Klassiker zu werden.

BMW und Mercedes-Benz gelten weltweit als herausragende Vertreter deutscher Autoingenieurskunst, beide stehen für Top-Leistung und Top-Qualität. Doch bei allen Gemeinsamkeiten unterscheidet sich – zumindest hierzulande – ihr Image. Ein Mercedes punktet in den Augen vieler Autofahrer vor allem mit Verlässlichkeit, Ausstattung, Luxus, ein BMW hingegen eher mit Leistung, Dynamik und Technik. In der Realität bleiben sich beide Hersteller auf diesen Feldern kaum etwas schuldig, dennoch gilt BMW als die „technischere“ Marke. Ein Image, dass die Münchener über Jahrzehnte sorgsam gepflegt haben, beispielsweise mit dem Slogan „Freude am Fahren“ – mit Betonung auf dem Fahren.

So gesehen war der BMW 850i, der 1989 auf der IAA vorgestellt wurde, ein waschechter BMW. Er verband die eleganten Linien eines Gran-Turismo-Coupés mit der dynamischen Front (versenkbare Scheinwerfer!) eines Sportwagens. Doch noch spektakulärer war, was sich unter der Karosserie verbarg. Ein Zwölfzylinder aus Aluminium mit fünf Litern Hubraum und 300 PS! Sechs Gänge! Automatische Stabilitäts- und Traktionskontrolle! Geschwindigkeitsabhängige Servolenkung! Elektronisch verstellbares Fahrwerk und Gaspedal für Sport- oder Komfort-Modus und und und … Der 850i (werksintern: Baureihe E31) setzte zu diesem Zeitpunkt neue Maßstäbe für Automobiltechnik. Das zog zunächst: Bei BMW hagelte es Vorbestellungen, manche Käufer mussten jahrelang auf ihr Fahrzeug warten.

Doch trotz des vielversprechenden Starts entpuppte sich der 850i (und spätere Modellvarianten) langfristig als Flop. Bis 1999 liefen nur rund 30.000 Exemplare vom Band. Die Gründe waren vielfältig: Eine unsichere Weltlage im Schatten des ersten Golfkriegs, weltweite Rezession und steigende Energiepreise ließen viele potenzielle Käufer zögern. Auf Sportwagen-Fans wirkte der Wagen zu kühl-kultiviert, auf Coupé-Fans hingegen zu aggressiv. Und viele Autofahrer scheuten auch die geballte Technik im 850i – der ganze „Elektronik-Kram“ war ihnen unheimlich.

Autofahrer von heute sind daran längst gewöhnt, sie können die Qualitäten des BMW 850i womöglich besser würdigen: seine klare, schnörkellose Optik, die ausgefeilte Technik, den seidenweichen Lauf des Motors. Vieles spricht dafür, dass der 850i in absehbarer Zeit zum Klassiker wird – Youngtimer-Fans sollten ihn im Auge behalten.