Pro und Contra Retro-Design

Manche Autos genießen den Status von Legenden, zum Beispiel der VW Käfer, der Porsche 911, die „göttliche“ DS von Citroën, der Fiat 500 oder der Mini. Mit diesem Kapital lässt sich wuchern: Einige Autohersteller haben ihre Klassiker wiederauferstehen lassen. Was ist von diesem „Retro-Design“ zu halten?

Ein solcher Ikonen-Status ist für den Hersteller eigentlich ein Kompliment – er kann aber unter Umständen zum Problem werden. Beispiel Porsche: In den 70er-Jahren versuchten die Zuffenhausener, bei ihren Sportwagen neue Wege zu gehen. Doch der optisch und technisch neu entwickelte Porsche 928, der als Nachfolger des 911er vorgesehen war, konnte die beinharten Fans der Marke nicht überzeugen – sie beharrten auf dem 911er. Porsche blieb nichts anderes übrig, als seinen Klassiker weiterzubauen.

Diese Anhänglichkeit an bestimmte Modelle brachte einige Hersteller auf die Idee, ihre eigenen Klassiker in modernisierter Form neu aufzulegen. 1998 präsentierte VW den „New Beetle“, der sich optisch an den Käfer anlehnte. 2001 folgte BMW mit dem Mini, einige Jahre später Fiat mit dem Quattrocento. Und der Retro-Design-Trend ist noch nicht vorbei: Kürzlich kündigen zwei Kleinserien-Hersteller an, neue Versionen der Isetta, dem ulkigen Winzling mit Fronteinstieg aus den 50er-Jahren, auf den Markt bringen zu wollen.

So seltsam, wie es auf den ersten Blick scheint, ist das gar nicht: In der Mode ist es fast schon stehende Regel, dass jeder frühere Trend früher oder später wiederkehrt – warum also nicht bei Autos? Die Retro-Modelle haben zudem ihren eigenen Charme: Anders als viele moderne Fahrzeuge, die sich gleichen wie eineiige Zwillinge, haben sie ihr eigenes unverwechselbares „Gesicht“, und man muss nicht mal auf die technischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts verzichten. Was jeder zu schätzen weiß, der schon mal versucht hat, mit der nach heutigen Maßstäben „wabbeligen“ Straßenlage eines echten Oldies zurechtzukommen.

Dennoch muss ich gestehen, dass das Retro-Design auf mich oft arg kalkuliert wirkt. Freistehende Kotflügel oder ein Bootsheck mögen hübsch aussehen, sind aber letztlich nur Gimmicks: Zitate in einer Formensprache, die längst ad acta gelegt wurde. Zu loben sind eher jene Designer, die sich um mutige Entwürfe bemühen, die ebenso zeitgemäß wie individuell sind (auch wenn’s manchmal schief geht). Denn Tatsache ist: Die anfängliche Begeisterung über das „antikisierende“ Design verfliegt meist recht schnell. Da zieht mancher lieber gleich einen sturen, bockigen Dinosaurier wie den Morgan vor, der seit Ewigkeiten fast unverändert gebaut wird.

Fotos (v. l. n. r.): Charles01, Sfoskett, Lantus, M93)