Das hässlichste aller Entlein

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Die Meinung über den Fiat Multipla der ersten Baureihe ist fast einhellig: Der Minivan hatte zweifellos innere Werte, doch mit seiner Optik fiel er völlig aus dem Rahmen. Oder durch den Rost. Doch gerade das könnte dafür sorgen, dass er irgendwann zum Kultauto wird.

Fangen wir mal mit den Vorzügen an: Der Fiat Multipla, der erstmalig 1998 in Italien auf den Markt kam, war trotz seiner Länge von nur vier Metern eine geräumige, vernünftige Familienkutsche. Die beiden angebotenen Motoren, ein 1,6-Liter-Ottomotor und ein 1,9-Liter-Turbodiesel, leisteten jeweils etwas mehr als 100 PS, womit sich der Van auch auf der Autobahn nicht verstecken musste.

Im Innenraum fanden die Fiat-Konstrukteure pfiffige Lösungen: Nicht nur auf der hinteren, sondern auch auf der vorderen Sitzreihe gab es je drei Einzelsitze – die stattliche Fahrzeugbreite von 1,87 Metern machte es möglich. Das futuristisch gestylte Armaturenbrett war zwar gewöhnungsbedürftig, erwies sich aber in der Handhabung als übersichtlich und ergonomisch. Und dank seiner großen Fensterflächen bot der Multipla dem Fahrer eine hervorragende Rundumsicht. Als Extra gab es sogar ein elektrisches Panoramadach.

Diese Vorzüge wurden von der Fachwelt durchaus beifällig registriert. Mehr noch: Eine sogenannte Bipower-Version des Wagens (er fuhr wahlweise mit Erdgas oder Benzin) schaffte es 1999 sogar in die Ausstellung „Automobiles for the Next Century“ im Museum of Modern Art in New York.

Dennoch gilt der Multipla heute eher als Lachnummer, und das liegt an seiner Optik. Freundliche Zeitgenossen nannten sie originell, extravagant oder mutig – doch die meisten fanden den Multipla einfach nur hässlich. Seine flache Motorhaube erinnerte an einen Entenschnabel, die Wulst unter der Frontscheibe an ein Doppelkinn. Das „Oberhaus“ wirkte überdimensioniert und sah von hinten aus wie ein Goldfischglas – es schien, als sei der Wagen aus mehreren nicht zusammengehörigen Bausätzen zusammengeschustert worden. Bei Rankings der „hässlichsten Autos aller Zeiten“ landet der Multipla bis heute regelmäßig weit vorne.

2004 unterzog Fiat das Karosseriedesign einem Relaunch, und danach sah der Multipla aus wie ein normaler Van. Doch ein großer Verkaufserfolg war ihm nicht mehr beschieden. Was ihn für Oldtimerfans interessant macht: Seine Seltenheit und seine wahrlich „außergewöhnliche“ Optik könnten dafür sorgen, dass der Multipla auf den Oldtimermessen in zehn oder zwanzig Jahren weitaus eleganteren Autos locker die Show stiehlt. Er wäre nicht das erste hässliche Entlein, das zum Schwan wurde.