Tückische Schönheit

Foto: KoimavericksSon

Audi gelang 1998 mit seinem Modell TT eine Punktlandung im Sportwagen-Segment. Das Coupé galt sofort als Design-Meisterstück und hat damit beste Chancen, zu einem echten Autoklassiker zu werden. Doch die vielbewunderte Optik des TT hatte ihre Tücken – der Wagen war anfangs eine unberechenbare Heckschleuder.

Dieser Wagen flößte sogar einem gestandenen Rennfahrer Respekt ein. „Nicht schlecht“, urteilte Walter Röhrl, seines Zeichens zweifacher Rallye-Weltmeister, nach einer Testfahrt im TT, „aber für normale Menschen viel zu gefährlich.“

Der Audi TT 8N war vielleicht gefährlich, aber auf jeden Fall eine Schönheit: Audi hatte den Entwurf 1995 als Studie vorgestellt und dafür Lobeshymnen geerntet. Tatsächlich wirkte der Wagen rundherum perfekt, wie aus einem Guss. Einen so souveränen und eigenständigen Entwurf hatte man gerade von Audi (wo man ansonsten eher konservativ bei der Optik seiner Modelle war) nicht erwartet. Die Resonanz war so überragend, dass die Ingolstädter das Sportcoupé 1998 ohne große optische Veränderungen auf den Markt brachten. Ein Jahr später kam auch eine zweisitzige Roadster-Version heraus.

Doch der Kater folgte bald. Es stellte sich heraus, dass die Fahrzeuge der ersten 8N-Baureihe von einem Durchschnittsfahrer kaum zu beherrschen waren. Ging man nur etwas zu schnell in eine Kurve, konnte es passieren, dass der TT ohne Vorwarnung brutal übersteuerte.

Nach einigen schweren Unfällen sah Audi sich gezwungen nachzubessern: Man bot den Käufern den nachträglichen Einbau des damals neuartigen ESP-Stabilisierungssystems an – und eines Heckspoilers, der für mehr Anpressdruck sorgen sollte. Letzteres war eigentlich eine Sünde wider das Design: Die TT-Karosserie war tropfenförmig wie ein Lutschbonbon – da störte der „Bürzel“ am Heck ziemlich. Doch es hatte den gewünschten Effekt: Der TT war jetzt deutlich berechenbarer, und so rüstete Audi die Modelle bald serienmäßig mit ESP und Spoiler aus.

Bis 2006 liefen rund 180.000 Coupés und 90.000 Roadster vom Typ TT 8N vom Band. Dann folgte ein Modellwechsel: Der TT 8J war länger, breiter und stärker motorisiert, zudem hatte Audi die Front, das „Gesicht“ des Wagens, der hauseigenen Designlinie angepasst: Der horizontale, schmale Kühlergrill des Ur-Modells war durch einen wuchtigen, blockförmigen Kühlergrill ersetzt worden. Im Sinne eines wiedererkennbaren Audi-Designs war das nachvollziehbar – doch der TT büßte dabei einen Teil seiner smarten Optik ein.