Wo sind all die „Brot-und-Butter“-Autos hin?

Wer schon mal eine Oldtimer-Show besucht hat (zum Beispiel die „Classic Days“ auf Schloss Dyck am Niederrhein), kennt das bestimmt: Man spaziert durch die Hallen oder über das Gelände und wird von der schieren Fülle der ausgestellten Automobil-Preziosen regelrecht überwältigt. Fast an jeder Ecke steht ein Klassiker von Porsche oder Mercedes, Jaguar oder Bentley, ein rassiger Italiener oder ein chromblitzender US-Straßenkreuzer.

Dabei waren viele dieser Fahrzeuge selbst zu Zeiten, als sie noch gebaut wurden, extrem rar. Fuhr in den 60er- oder 70er-Jahren ein Jaguar E-Type, ein Ferrari Dino, ein Chevrolet Corvette oder gar ein leibhaftiger Rolls-Royce vorüber, drehte man sich danach um – denn jeder Autokenner wusste: So ein Prachtstück in freier Wildbahn zu sehen, war ebenso wahrscheinlich, wie im Stadtpark einem kapitalen Zwölfender zu begegnen.

Vor diesem Hintergrund sind heutige Oldtimer-Shows ein etwas bizarres Erlebnis, denn hier wimmelt es geradezu von diesen Klassikern. Was man hingegen nur selten findet, sind – wenn man den Käfer oder den Trabi mal ausnimmt – die typischen Alltagsfahrzeuge der 50er-, 60er- oder 70er-Jahre. Wo ist der Opel Kapitän, der DKW F12 oder der Ford 17M? Wo der Renault 16, Fiat 124 oder Peugeot 404? Oder ein VW Golf der ersten Baureihe? – Fehlanzeige.

Die Erklärung ist simpel: Die meisten dieser Alltagsmodelle haben ihr automobiles Dasein irgendwann auf irgendeinem Schrottplatz beendet. Das war früher der normale Lauf der Dinge, denn Autos bestanden damals nun mal überwiegend aus Blech, an dem im Laufe der Jahre unerbittlich der Rost nagte. Ab einem Alter von zehn Jahren wurde es kritisch, und irgendwann war’s vorbei. Doch das ist nicht der einzige Grund: Sie verschwanden auch, weil es seinerzeit niemand für lohnend hielt, solche Bot-und-Butter-Fahrzeuge zu erhalten.

Eigentlich ist das schade. Denn mal ehrlich: All diese Traumwagen auf den Oldtimer-Shows, die ehemaligen Luxuslimousinen und Sportwagen-Veteranen, sind ja ganz schön anzuschauen – aber wünschen Sie sich nicht auch manchmal, dort ein Exemplar Ihres ersten Autos wiederzufinden? Das Vehikel, auf dem man das Fahren gelernt und seine ersten Touren in die Umgebung unternommen hat. Und das war vermutlich kein Porsche 911, Austin-Healey oder Alfa Romeo Spider, sondern eher ein schlichter Opel Kadett oder Ascona oder – wie in meinem Fall – Vaters ausrangierter Ford Consul.

Mein Tipp: Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie mit der Idee liebäugeln, ein altes Auto zu erhalten oder zu restaurieren. Denn es kann gut sein, dass Sie auf den Oldtimer-Shows in 20 oder 30 Jahren mit einem Toyota Corolla, Peugeot 206 oder Škoda Octavia größere Aufmerksamkeit erregen als mit einem Ferrari oder Aston Martin.