Unverwechselbare Walflosse

1996_Ford Escort RS Cosworth 2.0Foto: Vauxford

Der Ford Escort RS gehörte über viele Jahre und mehrere Modellwechsel zur Riege der „Kompaktsportler“: kleine, leichte Fahrzeuge, die es dank ihrer kräftigen Motoren auf der Autobahn locker mit Oberklasse-Modellen aufnehmen konnten. 1992 trieb Ford dieses Prinzip auf die Spitze: Mit dem Escort RS Cosworth schickte man einen richtigen Dampfhammer auf die Straße.

Ford hatte bereits Anfang der 70er-Jahre als einer der ersten Hersteller mit seinem Escort RS einen auf 100 PS aufgemotzten Kleinwagen auf den Markt gebracht. Das Konzept kam vor allem bei jungen Autofahrern an, also bedient man dieses Marktsegment auch bei den folgenden Escort-Modellwechseln weiter. Doch was Ford dann 1992 auf den Markt brachte, stellte alles Vorherige in den Schatten: den Escort RS Cosworth.

Dampfhammer mit Rallye-Wurzeln

Eigentlich hatte Ford ein echtes Rallyefahrzeug entwickelt, denn man wollte bei der Weltmeisterschaft mit einem konkurrenzfähigen Wagen antreten. Doch dazu, so verlangte es das Reglement, mussten von dem gemeldeten Fahrzeug innerhalb eines Jahres 2.500 Exemplare gebaut werden – so entstand der Escort RS Cosworth. Wegen dieses Hintergrunds war der „Cossie“ außergewöhnlich: Der Wagen hatte permanenten Allradantrieb und lief über Tempo 230. Strenggenommen war es gar kein echter Escort, sondern ein verkürzter Sierra, denn ein Teil der Technik stammte aus dem größeren Ford-Modell. Den 220 PS starken Vierzylinder-Turbo lieferte die legendäre britische Firma Cosworth, die zeitweilig fast die ganze Formel 1 mit ihren Rennmotoren versorgt hatte.

Unverwechselbar wurde der Escort RS Cosworth aber erst durch seinen Heckspoiler. Ein wahres Ungetüm: Er setzte wie ein Balkon an der hinteren Dachkante an und ragte so weit über das Fahrzeugheck, dass er durch eine vertikale Strebe abgestützt werden musste. Die „Walflosse“, wie der Spoiler bei Ford genannt wurde, veränderte das Erscheinungsbild des ansonsten eher biederen Escort dramatisch: Hier, das war auf den ersten Blick zu sehen, hatte man es mit einem echten Leistungssportler zu tun. Das Urteil der Fachwelt über den XXL-Spoiler war einhellig – unmöglich, dieses Ding (Kommentar der ADAC-Motorwelt: „Der Airbus ist schöner.“). Doch den Käufern gefiel‘s: Bei einem entschärften RS-Modell, das Ford einige Jahre später vorstellte, konnte man auf Wunsch den Spoiler weglassen – keine Chance: Die meisten Käufer bestanden auf der Walflosse.