Eine Pagode wird restauriert

Ostasiatischer tempel.

Einer meiner Oldie-Favoriten ist die „Pagode“, das von 1963 bis 1971 produzierte Cabrio von Mercedes Benz. Sie ist auch bei anderen Oldtimerfans sehr beliebt – doch die rund 5.000 in Deutschland noch zugelassenen Exemplare sind mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt, viele benötigen fachmännische Pflege. Eines davon hat Alexander Haller in Berlin kürzlich restauriert.

Rund 49.000 Exemplare des W 113, so die offizielle Modellkennzeichnung, wurden gebaut, und ursprünglich gab‘s ihn nur mit einem Faltdach. Den Spitznamen „Pagode“ bekam er erst durch das optional mitgelieferte Hardtop: Es war leicht nach innen gewölbt und erinnerte so entfernt an die geschwungenen Dächer fernöstlicher Pagoden. Als Nachfolger des 190 SL und des legendären 300 SL Flügeltürers leitete der W113 bei Mercedes eine neue Design-Ära mit geraderen Linien und weniger Zierelementen ein. Wie schon seine Vorgänger war das Modell besonders in den USA sehr beliebt.

„Ein Freund“, erzählt Alexander Haller, „hatte vor einiger Zeit in Kalifornien eine Pagode gekauft und brachte sie für ein paar kleine Reparaturen in meine Werkstatt.“ Diese Werkstatt, die auf die Restaurierung von Oldtimern spezialisiert ist, hatte er 2015 unter dem Namen Haller Klassische Automobile stilgerecht in einer ehemaligen preußischen Pulverfabrik im Nordwesten Berlins eröffnet.

Bei der Inspektion des Mercedes 280 SL kamen schnell weitere Mängel zum Vorschein, die man dem Wagen von außen nicht angesehen hatte. Es begann mit der Erneuerung des Gasgestänges, einem typischen Eingriff bei der Pagode. Danach kamen noch viele Arbeitsstunden hinzu. „Letztendlich“, so Haller, „haben wir den Wagen fast komplett restauriert.“ Sein Ziel: Alles retten, was noch zu retten ist – ersetzen kann schließlich jeder. So wurden auch die Chromteile mit viel Mühe wiederaufbereitet und nicht einfach ausgetauscht, wie es häufig gemacht wird. Selbst die Lederbezüge ließ Alexander Haller aufwendig restaurieren.

Den richtigen Farbton finden

Bei der Farbfindung hatte er Glück: Der 280 SL war im Original-Farbton 423 H lackiert, einem eleganten Tabakbraun. Der Buchstabe H steht dabei für den Wuppertaler Lackhersteller Herberts, jenes Unternehmen, das 1955 den Autoreparaturlack Standox auf den Markt gebracht hatte. Daher war der Farbton auch noch in der Standox Datenbank gespeichert und konnte problemlos nachgemischt werden. Nicht immer sind Farbinformationen so leicht zu finden. In solchen Fällen misst das digitale Farbtonmessgerät Genius iQ die Farbe präzise aus, anschließend liefert die Farbsoftware Standowin iQ die passende Mischformel dazu.

Ausgemischt wurde der Farbton 423 H in Standoblue, mit dem der Mercedes komplett neu lackiert wurde. Zum Einsatz kamen außerdem der Standox VOC-System-Füller U7540 und der Standocryl VOC-Premium-Klarlack K9540. Haller: „So konnten wir den Farbton originalgetreu nachstellen, ohne auf die Vorzüge moderner Lacktechnologie verzichten zu müssen.“

Überzeugendes Ergebnis

Das Ergebnis hat nicht nur ihn, sondern auch den Besitzer des Fahrzeugs überzeugt: Die Pagode erstrahlt in neuem Glanz. Der Mercedes 280 SL war das erste große Projekt in Hallers neuinstallierter Lackierkabine und bestätigte dem Oldtimer-Spezialisten, dass er nun auch beim Lack Top-Qualität garantieren kann. Früher vergab er Lackierarbeiten an externe Spezialisten, jetzt kann er die komplette Restaurierung in seiner Werkstatt machen. Für Alexander Haller ein wichtiger Punkt, denn: „Bei solchen Projekten ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen und auf jedes Detail zu achten. Alles andere wird einem Klassiker nicht gerecht.“