Mercedes 710 SS: „Van Gogh auf vier Rädern“

Für unsere Coloristik-Spezialisten war es ein Höhepunkt ihrer Arbeit: Mit ihrer fachlichen Expertise bei der Lackreparatur eines 90 Jahre alten Oldtimers demonstrierten sie die Kompetenz von Standox bei der Lackrestaurierung von Classic Cars.

Aus der langen Liste berühmter Sport- und Rennwagen von Mercedes ragen einige Fahrzeuge heraus – zum Beispiel die legendären Modelle S, SS und SSK, die Daimler-Benz von 1926 bis 1933 baute. Sie fuhren nicht nur auf der Straße weit vorweg, sondern auch auf der Rennpiste. Der SS erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h – das war zu einer Zeit, in der andere Autos kaum auf 100 km/h kamen, geradezu schwindelerregend. Durch Zuschalten eines Kompressors ließ sich die Motorleistung kurzzeitig um fast 50 Prozent steigern – was sich nicht nur in der Beschleunigung, sondern auch im Geheul des Kompressors bemerkbar machte.

Nur 300 Exemplare wurden gebaut

Für einen Normal-Automobilisten der späten 20er-Jahre war eine solche Motorleistung kaum beherrschbar, erst recht nicht erschwinglich: Letztlich baute Daimler-Benz von den Typen S, SS und SSK nicht einmal 300 Stück. Die wenigen noch existierenden Exemplare werden heute für astronomische Summen gehandelt. Vor einigen Jahren wechselte ein S-Modell mit einer Sonderkarosserie für 7,5 Millionen Euro den Besitzer.

Unsere Coloristik-Spezialisten bei Standox Deutschland hatten schon mit vielen Oldtimern zu tun. Doch als sie im Januar nach Bad Homburg im Taunus fuhren, um einen Mercedes 710 SS in Augenschein zu nehmen, war das auch für sie etwas Besonderes: „Ein solcher Wagen ist so etwas wie ein Van Gogh auf vier Rädern.“ Der vor zehn Jahren bereits einmal restaurierte dunkelgrüne Mercedes, Baujahr 1929, war in tadellosem technischem Zustand und wirkte, als sei er gerade frisch vom Werk ausgeliefert worden. Das einzige, was gemacht werden musste, war eine Stelle an der Front, etwa so groß wie ein Din A3-Blatt, wo der Lack beschädigt war.

Authentizität eines historischen Lacks bewahren

Dass gerade Standox zur Begutachtung und Farbtonmessung des Klassikers herangezogen wurde, verdankten die Spezialisten der Vermittlung einer renommierten Top-Expertin: Die Restauratorin Dr. Gundula Tutt aus Vörstetten am Kaiserstuhl gilt weltweit als Koryphäe für historische Autolacke. Sie ist eine Kritikerin des „Überrestaurierens“ von Klassikern, wie es in manchen Sammlungen geschieht. Sie legt stattdessen Wert darauf, die Authentizität eines historischen Autolacks zu bewahren, selbst wenn er dann im Endeffekt etwas gealterter aussieht. Sie hatte sich mit dem Besitzer des Wagens zu dem Lackschaden ausgetauscht und danach bei Standox angerufen.

Der Mercedes 710 SS in Bad Homburg war bei seiner Restaurierung im Jahr 2010 mit einem Nitrolack, wie er bei Vorkriegsfahrzeugen üblich war, beschichtet worden. Nitrolacke reagieren recht empfindlich auf Witterungseinflüsse, da sie wegen ihres besonderen Bindemittels Zellulosenitrat mit viel Aufmerksamkeit gepflegt werden müssen. Sie müssen oft aufpoliert werden, was allerdings sukzessiv den Decklack abträgt. „Standox ist eine der wenigen verbliebenen Lackmarken, die heute noch ein Nitrozellulosematerial liefern kann, das zur Reparatur und Ergänzung von originalen und restaurierten Nitrolacken verwendet werden kann“, erklärt Dr. Gundula Tutt.

Unsere Spezialisten bestätigen: „Wir haben an den Standox Stützpunkten eine spezielle Mischanlage für Altlackierungen wie Nitrokombilacke oder kunstharz- und lösungsmittelhaltige Basislacke für Effektlackierungen. Darüber hinaus verfügen wir auch über alle Möglichkeiten der professionellen Farbanpassung. Damit lässt sich eine solche Reparatur durchführen, ohne den alten Lack abwaschen und alles neu machen zu müssen. Dabei spielt keine Rolle, ob es sich um einen patinierten Originallack aus den 20ern oder – wie im Fall des Mercedes SS – um einen mit historisch korrektem Material restaurierten Lack handelt.“

Historischen Farbton als Nitrokombilack nachgemischt

Letztlich entscheidend bei einer Restaurierung ist natürlich das exakte Nachstellen des Farbtons. Der Mercedes war, wie wir mit Hilfe des digitalen Farbtonmessgeräts Genius iQ und der Farbsoftware Standowin iQ feststellten, irgendwann mit dem Mercedes-Serienfarbton 291 lackiert worden, einem dunklen Grün, das an den Karosserierändern mit einem helleren Olivton abgesetzt war. In Wuppertal mischten unsere Experten beide Farben als Nitrokombilacke aus und stellten sie dem mit der Reparatur beauftragten Lackierer Semir Kunic aus Oberursel, einem ausgewiesenen Oldtimer-Spezialisten, zur Verfügung.