Thermoplastische Klarlacke

Reparaturen von Oldtimerlacken erfordern spezielles Know-how, denn manchmal funkt die Chemie dazwischen: Einige Altlacke vertragen sich nicht mit modernen Lacken. Doch mit den geeigneten Produkten und der richtigen Applikationsmethode lässt sich das Problem lösen.

Unverträglichkeiten können vor allem auftreten, wenn der Oldie ursprünglich mit einem thermoplastischen Acryllack (TPA) beschichtet wurde. Diese Lacke waren ab den 1950er-Jahren auf amerikanischen, aber auch europäischen Fahrzeugen wegen ihres schönen Glanzes weit verbreitet. Einige Hersteller aus dem Luxussegment setzten sie sogar noch bis in die 80er ein. Das bedeutet: Wer beispielsweise einen US-Klassiker aus den 50er- oder 60er-Jahren restaurieren will, hat es beim Lack mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem TPA zu tun.

Thermoplastischer Acryllack ist empfindlich
Die Besonderheit dabei: Der vergleichsweise weiche TPA reagiert nicht nur empfindlich auf Temperaturschwankungen (zum Beispiel bei forcierter Trocknung), sondern auch, wenn er mit modernen 2K-Reparaturlacken in Kontakt kommt. Im schlimmsten Fall kann der alte Lack aufquellen, reißen oder sich sogar ablösen.

Aus diesem Grund galt bei Reparaturen von TPA bislang: Partielle Lackreparaturen gehen gar nicht – das Bauteil muss komplett abgeschliffen und der Lack von Grund auf neu aufgebaut werden. „Bei großflächigeren Schäden ist das auch nach wie vor die richtige Lösung“, bestätigt Erik Faßbender, Leiter Training bei Standox in Wuppertal. „Aber bei kleineren oder rein kosmetischen Schäden kann man inzwischen mit modernen Lacken auch Teilreparaturen von TPA-Lacken vornehmen.“

Spachtel direkt aufs blanke Blech
Und so geht’s: Schleifen Sie die Schadenstelle zunächst bis auf das Blech herunter. Achten Sie bei den Übergängen zum Originallack auf feines Schleifen, um Riefen zu vermeiden. Tragen Sie anschließend den Spachtel direkt auf das blanke Blech auf.

Applizieren Sie einen Säureprimer, zum Beispiel den Standox 1K-Füllprimer, auf die blanken Stellen. Bei größeren blanken Bereichen sollte dann der Standox 2K-Reaktiv-Haftprimer eingesetzt werden, um einen noch besseren Korrosionsschutz sicherzustellen. Wichtig dabei ist: Besser als eine dicke Schicht sind mehrere dünnen Schichten. Lassen Sie den Säureprimer danach mindestens 15 bis 30 Minuten ablüften.

Schleifriefen möglichst minimieren
Tragen Sie dann den Standox VOC-Nonstop-Grundierfüller U7580 auf. Hierbei sollten Sie entweder das ganze Bauteil füllern oder aber geometrische Begrenzungen wie Sicken und Kanten nutzen. Auch hier gilt: Schleifen Sie die Übergänge besonders sorgfältig, am besten mit einer P500- oder noch feineren Körnung. Als Faustregel gilt: Je feiner der Schliff, desto geringer das Risiko von Anquellungen. Lassen Sie den Füller gründlich trocknen und schleifen Sie ihn mit Körnung P600. Danach können Sie die ausgewählte Decklack-Qualität im passenden Farbton auftragen.

Mit den richtigen Produkten und der richtigen Technik lassen sich auch empfindliche Oldtimerlacke fachgerecht reparieren.